Privat - Stories
Dauerwellen ...
Was tut "Frau" nicht alles fü:r ein gepflegtes ä:usseres….? Angefangen hatte es damit, dass ich - frustriert ü:ber den allmorgendlichen Kampf mit meinem Haupthaar - am Donnerstag den spontanen Entschuss fasste, meinem Friseur einen Besuch abzustatten, um mir eine
Dauerwelle verpassen zu lassen. So - meine Meinung - wü:rde ich dann endlich wieder eine ordentliche Frisur hinbekommen, ohne dass dieses Unterfangen zu einer tagesfü:llenden Aufgabe wü:rde...
Gesagt, getan. Ins Auto und auf nach Hamm. Wie so oft, erschien ich kurz
nach Mittag - zu einem Zeitpunkt, wo die "ä:lteren Damen", die alle 6 Wochen zum "Waschen und Legen" erscheinen, bereits wieder vor ihrer Graupensuppe am heimischen Tisch sassen. Also wurde ich ohne grosse Wartezeiten in den "Behandlungsstuhl" gebeten und nach 2 1/2 Stunden "Frau im Spiegel", "Die aktuelle", "Neue Revue" etc. in denen man mir diverse - mehr oder minder wohlriechende - Flü:ssigkeiten und Pasten aufs Haupt geschmiert hatte, als
"geheilt" entlassen.
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Ich prü:fte das Ergebnis im Spiegel und ehrlich: Das Gesicht, welches mir da freudlos entgegensah, hatte nur in gewissen
Grundzü:gen eine ä:hnlichkeit mit mir. Ein dicker, weisslicher Rand zog sich von einem Ohrlä:ppchen ü:ber die Stirn hinweg vom anderen, wobei sich die Konturen zu dem vorher dort aufgelegten Make up und dem Rouge mehr als deutlich abzeichneten. Es war das Resultat der mehrfach aufgetragenen und wieder abgewischten fettigen Nivea-Creme, mit dem das ach so kleidsame Wattestreifchen gegen "Tropfwasser" an der Stirn "angeklebt" worden war. Mit den Fingerspitzen versuchte ich, diese Konturen etwas weichzuzeichnen, denn irgendwie erinnerte mich mein Antlitz eher an ein
Osterei.
Nun gut, immer noch besser als zu
DEM Zeitpunkt, als man mir den Kopf voll kleiner hellblauer und orangefarbener Rö:llchen gepackt hatte und der ü:ber die Stirn verlegte und im Nacken zusammengeknotete Wattestreifen meine Ohren dermassen abstehen liess, dass ich Alfred E. Neumann durchaus hä:tte Konkurrenz machen kö:nnen. Just in diesem Moment erschien natü:rlich auch der ä:usserst attraktive "Sohn des Hauses" und begrü:sste die "Patientinnen" im Salon des Papas... "Nun ja," denke ich mir, "er wird Schlimmes gewohnt sein..." aber peinlich ist es
doch ...Frau ist ja auch etwas eitel...
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Okay, okay, mittlerweile sind die Rö:llchen entfernt und nach einer dreiviertel Stunden liebe- und mü:hevoller Kleinarbeit mit Trockenhaube und Lockenstab prä:sentiert mir meine Friseurin
voller Stolz mit einem zweiten Spiegel das Ergebnis ihrer Bemü:hungen. Ich will euch nicht mit Details langweilen und ü:ber die Eiform meines Gesichtes hatte ich mich ja bereits ausgelassen... Nur ganz kurz: Ich werde den Verdacht nicht los, dass Friseure in ihrer Ausbildung fü:r jede denkbare Haarlä:nge genau
EINE Frisur beigebacht bekommen - und
DIESE wird dann der Kundin verpasst - ungeachtet dessen, wie sie vorher einmal ausgesehen hatte. Hm... in einem solchen Zusammenhang muss wohl auch der Ausdruck
"Quadratschä:del" erfunden worden sein.
"Egal", denke ich mir, "wenn ich die Haare das erste Mal selber gewaschen und gefö:nt habe, sieht das wieder anders aus... Hauptsache, das Haar hat wieder eine gewisse "Grundfestigkeit"... Morgen frü:h...
Wie soll ich es sagen? Der nä:chste Morgen brachte zunä:chst einmal eine ü:berraschung der
besonderen Art mit sich, als ich in den Spiegel sah: Mein doppelt so breiter Kopf vom Vortag hatte sich durch das nä:chtliche Liegen in eine Art
"Dreieck" verwandelt: Mein Haar hatte sich zu einem ca. 10 cm hohen, hahnenkammä:hnlichen Gebilde am Oberkopf zusammengeschoben und gab auf beiden Seiten den Blick auf die (durch die diversen Mittelchen) leicht gerö:teten Ohrmuscheln frei. Arghhhhlllll, diesen Anblick konnte ich keinem zumuten -
nicht einmal mir selber. Also, den Kopf unter Wasser, diverse Mittelchen zur Sä:uberung und Pflege und - so meine Hoffnung - in wenigen Minuten wü:rde ich endlich wieder mir selbst ä:hnlich sehen ... ohne grossen Aufwand.
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So wird dann erstmal frottiert, die kü:nstlichen Locken mit einem groben Kamm sortiert und mit dem kleinen 1.200-Watt Reisefö:n kopfü:ber getrocknet. Das "Zwischen"Ergebnis - kreiiiiiiisch: Ein riesiger,
kreisfö:rmiger Kopf! Sauerkrautä:hnlich steht mein Haar wie Sonnenstrahlen rund um mein Haupt ab - DAS nenne ich "Volumen". Nun noch einen Topf rote Farbe und ich kann als Pumuckl durchgehen. Meine neue Dauerwelle fä:ngt an, mir Spass zu machen *grummel*... Aber egal,
das war ja erst "Schritt 1" (mittlerweile ist ca. eine viertel Stunde vergangen). Jetzt geht es ans
eigentliche "Gestalten": Lockenstab heraus und los geht´s.
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Die erste Strä:hne "Sauerkraut" wird eingewickelt, gewartet, bis es auf der Kopfhaut brennt, ausgewickelt und... WOW, eine Locke! Prü:fend ziehe ich sie mit den Fingern lang und sie springt korkenzieher-artig zurü:ck. Wunderbar!!
Sie hä:lt! (und wie!!) Nach und nach wird auf diese Weise sä:mtliches Sauerkaut in Korkenzieher verwandelt, welche nicht, wie eigentlich
ü:blich - vom Kopf herabhä:ngen, nein - sie "kleben"
waagerecht an diesem fest. Ich sehe aus wie ein Schaf mit Beulenpest. Gut, dass Uwe nicht zuhause ist. Wer weiss, welche seelischen Schä:den er bei
DEM Anblick davon tragen wü:rde.
Aber - so trö:ste ich mich selbst - auch
DAS ist ja nur ein "Zwischenergebnis" (verbratene Zeit bisher: ca. 38 Minuten). Nun kommt ja erst der entscheidende Moment: Die abgekü:hlten "Rö:llchen" werden ausgebü:rstet und... mein schulterlanges Haar endet knapp
unterhalb der Ohrlä:ppchen. Dafü:r sind die ä:usseren Konturen in dem schmalen Badezimmerspiegel nicht mehr erkennbar. Ein Kontrollblick in den Ganzkö:rperspiegel des Kleiderschrankes zeigt eine waagerecht liegende Ellipse auf meinem Hals. Neiiiin, auch
DAS kann es noch nicht sein! Mit einer Naturborsten-Bü:rste wird also noch einmal krä:ftig nachgearbeitet. Irgendwie MUSS das Haar doch wieder "lang" zu kriegen sein... Das Ergebnis: Der Pony steht
hochkant, die Haare elektrisieren und und die Ellipse hat sich
verdreifacht.
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Meine folgerichtige Feststellung:
SO geht das nicht! Es werden also Teile des Haares erneut befeuchtet, wieder zu Rö:llchen aufgedreht (diesmal nicht ganz so heiss werden lassen, dann geht das schon...), ausgebü:rstet und auf diese Weise mein Kopf in ein
Polygon verwandelt. Ich beginne, an der Richtigkeit meiner Entscheidung zu zweifeln. Wä:hrenddessen rü:cke ich dem Polygon mit Haarkä:mmchen und
"Sekundenkleber" (Haarlack ultra strong) zu Leibe. Wä:re doch gelacht, wenn ich diesen Kampf nicht
gewinne! Verbrauchte Zeit: ca. 55 Minuten! Ich sollte mich mal langsam um das
Mittagessen kü:mmern...
Mein Spiegelbild zeigt eine "8 ". Vielleicht habe ich die Seitenpartien mit den Kä:mmchen etwas
ZU streng nach hinten gezogen!?! Nä:chster Versuch - Kä:mmchen raus, Kä:mmchen rein... Die "8" ist zu einem "B " mutiert: Links platt, rechts beulig...also noch ein Versuch: Kä:mmchen raus, noch einmal durchbü:rsten, eine neue Portion "Sekundenkleber", Kä:mmchen wieder rein und aus dem Spiegel blickt mir eine Art "Frau Antje aus Holland " entgegen - mit dem Unterschied, dass die seitlich aufspringenden Spitzen nicht von einer "Mü:tze" stammen, sondern
"echt" sind. Ich krieg´die Krise!!
Ich denke, ich kü:rze an dieser Stelle einmal ab: Nachdem ich - ca. 6 weitere geometrische Formen spä:ter - den Entschuss fasste, meine Haare
erneut zu waschen, stand Uwe plö:tzlich in der Badezimmertü:r... und war genau so schnell wieder verschwunden... Ich glaube, es war an der Stelle mit dem Oktagon ...
Hatte ich eigentlich schon erwä:hnt, dass ich fü:r meine neue "Frisur" 50 Euro bezahlt habe...? Nun ja, bei
DER Vielfalt der mö:glichen Ergebnisse doch glatt ein
Spottpreis, oder???
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