Privat - Mein Tagebuch
01. Januar 2002
Online Tagebücher erfreuen sich ja in zwischen allgemeiner
Beliebtheit und so habe auch ich mich entschlossen, ab dem 01.Januar 2002 so von Zeit zu Zeit etwas aus dem Nähkästchen zu veröffentlichen.
Fangen wir also mit dem ersten Tag im neuen Jahr an. Nachdem ich mich kurz vor Mittag aus den Federn gequält hatte, zweifelte ich stark daran, dass all die guten Dinge, die man mir für das neue Jahr gewünscht hatte, auch tatsächlich eintreffen würden. Meinem
Brummschädel nach zu urteilen konnte dieses Jahr nur eine einzige Katastrophe werden.
Ich konnte nur seitwärts durch die Tür gehen, sonst wäre ich an den Türrahmen angestossen mit meinem Kopf, der Kaffee schmeckte nach
Seife, das Wohnzimmer glich einem mittleren Schlachtfeld und meine Tochter erschien mir noch ein wenig lauter als sonst.
Jedes Wort schmerzte in meinen Ohren (und Alyssia redet bekannterweise den ganzen Tag); ich litt
Höllenqualen. Der einzige, der Mitleid mit mir, dem "bedauernswerten" Sylvester-Opfer zu haben schien, war mein Mann, der heldenhaft den ganzen Tag darüber hinwegsah, dass seine ihm angetraute Gattin im
Zeitlupentempo durch die Wohnung schlich und auch abends noch so aussah, als wäre sie die Treppe herabgestürzt (wir haben gar keine Treppe).
Ein wenig Linderung brachte es, als ich meine E-Mails abrief und ein schöner Award ins Haus geflattert kam und sich bisher noch keiner erdreistet hatte, mich bei der von mir so heissbegehrten
Maurice Lacroix Uhr zu überbieten. Zwar hatte ich erst vorgestern eines dieser Exemplare ergattert, aber das konnte mich in keiner Weise davon abhalten, auch weiterhin Geld auszugeben, welches ich noch gar nicht verdient habe. Mit dieser Veranlagung könnte ich in der
Regierung sitzen.
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